Elex: Ist der Hype um den Gothic-Nachfolger berechtigt?

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Seit Juli 2015 warteten Rollenspiel-Fans auf das Release von Elex – das neuste Abenteuer von Nordic Games und Piranha Bytes (Gothic, Risen). Seit dem 17. Oktober diesen Jahres hat das Warten endlich ein Ende!

Aber hält Elex, was sich Fans der Gothic-Serie erhoffen? Ist es ein leidenschaftliches, energetisches Open-World-Rollenspiel? Und bietet es Freiheiten und die bombastische Atmosphäre à la Gothic?

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Mixtur aus Fantasy, Science-Fiction und Postapokalypse

Elex weist zwar einige Gemeinsamkeiten mit den Gothic-Teilen auf – es gibt konkurrierende Fraktionen, raue Dialoge, einen lakonischen Helden und gefährliche Erkundungen -, anstatt die Fan-Mäuler einfach mit einem neuen Gothic zu stopfen, traut sich Piranha Bytes aber an ein neues Setting. Man könnte Elex als Gemisch aus Fantasy, Science-Fiction und Postapokalypse bezeichnen.

Damit dieses Szenario seine volle Wirkung beim Zocker entfalten kann, muss die Welt allerdings erst einmal den Bach runtergehen. Und das geschieht in Elex wie folgt: Die Welt Magalan ist gar nicht so verschieden zu unserer. Es gibt Autos, Straßen, Massenvernichtungswaffen usw. Plötzlich schlägt ein riesiger Komet aus einem bläulich-schwarzen Material auf der Erde ein.

Anders als in der Realität vernichtet der Komet keine Dinos und Echsen, sondern den größten Teil der menschlichen Bevölkerung. Doch der Kometeneinschlag hat nicht nur schlechte Seiten: Die Überlebenden merken, dass das Material, aus dem der Komet besteht (Elex) dazu dient, sämtliche Aspekte des Lebens zu verstärken.

Wie das Leben aber eben so spielt, verfolgen die Menschen verschiedene Interessen, sodass sich drei Fraktionen bilden. Die Kleriker nutzen Elex, um einen hochtechnisierten Staat zu entwickeln. Die mittelalterlichen Berserker hauchen dem trockenen Planeten mit Elex neues Leben ein. Und die Outlaws machen aus der Wüste ein Paradies à la Mad Max.

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Da das ja noch viel zu langweilig wäre, gibt es eine vierte Gewalt, die sich im Schatten der anderen drei Mächte bildet. Willensstarke Menschen hauen sich so viel Elex rein, wie sie nur können, um zu mächtigen Kreaturen zu werden. Das Blöde dabei: Die Albs, so der Name der Cyber-Soldaten, haben sich die letzten Emotionen „weggeElexed“. Sie fallen über die Menschen her, verschleppen, morden und verwüsten.

Wer denkt: „Cool! Den Viechern mache ich den Gar aus!“, wird allerdings zunächst enttäuscht. Wir starten nämlich als Hauptmann der „Terroristen“.

Jax der Pragmatiker

Keine Sorge: Auch in Elex ist der Hauptcharakter wieder einmal ein absoluter Pragmatiker, der nicht groß um den heißen Brei herumredet. Stattdessen wird „zugepackt“. Das Tolle im Vergleich zu Gothic und Risen ist allerdings, dass unser Held dieses Mal eine echt spannende Hintergrundgeschichte hat. Und siehe da: Die Entwickler haben uns sogar einen Namen gegeben. Das war ja längst nicht in allen Piranha Bytes Games der Fall.

elex

Wir möchten dir an dieser Stelle nicht zu viel verraten. Deshalb gehen wir jetzt nicht weiter auf unseren Helden bzw. dessen Hintergrundgeschichte ein. Was wir aber verraten können, ist, dass Jax`s Charakter – so der Name der Hauptfigur – absolut „ins Bild“ passt. Immer wieder quält uns die Frage, was ihn zum Alb-Dasein getrieben hat und immer wieder wecken clevere Entwicklungen und Erzählungen unsere Neugier. Und auch die Tatsache, dass wir einen Schurken spielen, halten wir für angemessen.

Es gibt allerlei zu entdecken und zu erleben

Man muss leider zugeben, dass der Hauptgeschichte immer wieder der Fokus fehlt. Das liegt schlichtweg daran, dass du in Elex absolute Entscheidungsfreiheit hast, wann du was und in welcher Form machst. Du kämpfst dich zunächst durch ein lineares Story-Tutorial. Danach öffnet sich das Abenteuer aber im wahrsten Sinne des Wortes komplett. Es kann beispielsweise sein, dass du bereits nach wenigen Augenblicken auf die ersten gehässigen Albs triffst. Es ist aber genauso gut möglich, dass du erst nach 30 Spielstunden zum ersten Mal mit den mutierten Terroristen zu tun hast.

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Wenn du auf ein kompaktes Spiel mit viel Dramaturgie hoffst, solltest du lieber zu einem anderen Game wie Call of Duty – WWII  greifen. In Sachen spielerischer Freiheit macht Elex aber keiner so schnell etwas vor. Es gibt so viel zu erleben und zu tun, dass Jax’s Geschichte für die meisten ohnehin erst einmal „uninteressant“ sein dürfte. Die Spielwelt von Elex ist unglaublich groß – sie übertrifft die von Gothic 3 bei weitem! Du kannst z.B. locker bis zu 20 Stunden damit verbringen, dich einer der drei Fraktionen anzuschließen, um fit für den Krieg gegen die Albs zu werden. Allein für das erstmalige Durchspielen geben die Entwickler eine Zeit von 60 bis 80 Stunden an. Dann kann der Winter ja kommen!

Hier ist immer etwas los

Während sich die weitläufige Welt bei Gothic 3 teilweise sehr leer anfühlte, macht Elex diesen Fehler nicht. Die Spielwelt ist nämlich eine der zwei großen Stärken des Games. Es macht ungeheuren Spaß, die verschiedenen Regionen von Magalan zu erkunden und jeden Stein umzudrehen. Hinter jeder Ecke warten spannende Orte und Charaktere sowie abenteuerliche Quests, Hintergrundinformationen, Kämpfe und Belohnungen. Und wenn doch einmal nichts los sein sollte, lehnt man sich kurz zurück und genießt das umwerfende Panorama.

In technischer Hinsicht reicht Elex längst nicht an Games wie Fallout 4 oder The Witcher 3 heran. Was dem Game an Effekten fehlt, macht es aber gekonnt durch beinahe künstlerische Gestaltungen wett. Zudem muss man bedenken, dass an der Entwicklung des Spiels gerade einmal 30 Personen beteiligt waren. Das Budget war also scharf begrenzt. Umso mehr kann sich das Ergebnis sehen lassen, wie wir finden.

Mehr zum Spiel liest du auf elexgame.com.

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Du entscheidest, wo du mitmischst

Die zweite große Stärke von Elex ist die Fülle an Aufträgen und Quests. Du kannst dich vollkommen in diesen Herausforderungen verlieren. Wenn du erst einmal alle drei Fraktionen besuchst, ehe du dich einer anschließt, findest du in deinem Questlog so viele NPCs, dass du den Wald vor lauter Bäumen kaum siehst. Und das ist absolut positiv gemeint!

Die Art der Quests richtet sich maßgeblich nach der Gesinnung der jeweiligen Fraktion. Die Kleriker setzen beispielsweise alles daran, die Kontrolle über ihren Staat zu wahren (durch Spionage, die Wartung von Kampfmaschinen, die Denunziation von Störenfrieden etc.). Derweil sind die Beserker gewillt, ihr Dorf in Schuss zu halten und die Natur zu pflegen. Und bei den Outlaws, wie sollte es anders sein, will jeder jedem an den Kragen. Du musst dich entscheiden, wo du mitmischst.

elex-gameplay

Abzüge bei der Inventarverwaltung und beim Kampfsystem

Über die veraltete Technik kann man aufgrund des vielfältigen Spielerlebnisses durchaus hinwegsehen. Was sich jedoch nicht so einfach ignorieren lässt, ist die fummelige Inventarverwaltung. Es kann teilweise „echt nervig“ sein, mit den Gadgets zu hantieren, um Waffen und Fähigkeiten zu verbessern. Auch diesen Aspekt kann man noch verkraften.

Was aber bislang am meisten Verbesserungspotential hat: Das Kampfsystem ist sehr sperrig und lässt uns das eine oder andere Mal im Stich. Es kommt immer wieder zu Problemen bei der Zielerfassung, sodass man öfter ins Gras beißt, als es aufgrund von mangelnden Fähigkeiten sein kann. Diesbezüglich hoffen wir, dass die Entwickler zeitnah ein Update herausbringen, das die Steuerung deutlich verbessert.

Pro:

  • Riesige, frei erkundbare und unglaublich atmosphärische Spielwelt
  • Gelungenes Setting (Mix aus Science-Fiction, Fantasy und Postapokalypse)
  • Freie Charakterentwicklung
  • Vier Fraktionen
  • Entscheidungsfreiheit
  • Etliche Haupt- und Nebenquests
  • Verschiedene Klimazonen und herrliche Kulissen
  • Umfangreiches Skill- und Crafting-System
  • Vier Schwierigkeitsgrade
  • Atmosphärischer Soundtrack und gelungene deutsche Sprachausgabe

Kontra:

  • Texturen, Charaktermodelle, Animationen teils veraltet
  • Umständliche Inventarverwaltung
  • Sperriges Kampfsystem

Elex – ein Abenteuer für Entdecker

Elex ist nicht perfekt, doch du solltest dem Spiel eine Chance geben – zumindest, wenn du Open-World-Rollenspiele magst. Die Spielwelt gehört zu den faszinierendsten der letzten Jahre, wenn nicht sogar Jahrzehnte. Vor allem Entdecker werden ihren Spaß beim Erkunden von neuen Orten, Ausführen von vielfältigen Quests und Sammeln von Hintergrundinformationen haben. Die Charakterentwicklung von Jax – die Hauptfigur des Spiels – ist einfach nur toll. Und die Waffen- und Fähigkeiten-Kombinationen kennen kaum Grenzen. Ob Elex genauso erfolgreich sein wird wie Gothic, lässt sich bisher allerdings schwer sagen – die Messlatte ist aber auch verdammt hoch.

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