Bugatti La Voiture Noire: Wiederauferstehung für 17 Mio. €

Spezialautos

Schon bevor Bugattis neueste Kreation verkauft wird, ist sie eine Legende – denn sie ist nicht irgendein Sportwagen, sondern eine Hommage an ein geschichtsträchtiges Modell des Herstellers aus dem Elsass. Ein wenig Gänsehaut für echte Enthusiasten gibt es im Video am Ende des Artikels. In die Geschichtsbücher eingehen wird der La Voiture Noire aber vor allen Dingen wegen seines Preises: Mit fast 17 Millionen Euro ist er der teuerste Neuwagen der Welt. Und trotzdem nicht zu kaufen – denn das Einzelstück hat seinen neuen Besitzer längst gefunden.

Reinkarnation einer Legende

Es gab schon einmal einen La Voiture Noire aus dem Hause Bugatti – ein Einzelstück auf Basis des legendären Typ 57 SC Atlantic, heute einer der wertvollsten Gebrauchtwagen überhaupt – in den 1930er Jahren entworfen von niemand geringerem als Jean Bugatti, dem Sohn des Gründers der Luxus-Autoschmiede. Gerade einmal vier Exemplare wurden damals gebaut, jedes bis zum kleinsten Teil nach Kundenwunsch individualisiert. Eines jedoch ging nicht an irgendeinen Kunden, sondern an Jean Bugatti selbst: La Voiture Noire – das schwarze Auto – blieb in der Familie.

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 Nicht lange allerdings, denn 1940 beschlagnahmten die Nazis nicht nur die gesamte Fabrik der Bugattis, sondern auch den La Voiture Noire – er wurde auf einen Zug nach Bordeaux geladen, kam dort allerdings nie an. Und ist seitdem nicht nur ein Mythos, sondern auch eines der wohl meistgesuchten Autos auf diesem Planeten.

Er ist wieder da

Mit dieser Geschichte im Hinterkopf wird klar, welche Bedeutung die Hommage an den verschollenen Typ 57 SC für Bugatti hat – doch der Liebhaber der Marke, an den der teuerste Neuwagen geht, bekommt für 16,7 Millionen Euro mehr als eine spannende Geschichte: Ein halbes Jahr lang brauchten die Designer und Ingenieure von Bugatti von der Idee bis zum Showcar, das in dieser Woche auf dem Genfer Autosalon vorgestellt wurde – und weitere zweieinhalb Jahre Handarbeit werden wohl noch in den neuen La Voiture Noire fließen, bis der Besitzer ihn entgegennehmen kann. Doch genug der Geschichten: Schauen wir uns doch endlich an, welche automobilen Träume Bugatti mit dem neuen schwarzen Wagen erfüllt.

Ein Chiron im Maßanzug

Basis des La Voiture Noire bleibt – wie schon beim mit 5 Millionen Euro vergleichsweise günstigen Divo aus dem letzten Jahr – der Chiron, der bekanntlich alles andere als zahm daherkommt: Aus dem W16-Mittelmotor holen die Elsässer brachiale 1500 PS, die an allen vier Reifen zerren.

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 Zu den genauen technischen Daten ist wenig bekannt – da nahezu die gesamte Technik vom Chiron übernommen wird, wird aber wohl auch das Einzelstück vollkommen wahnwitzige Fahrleistungen mit sich bringen. Ob dazu der Easy-to-Drift-Modus an Bord bleibt, darüber kann nur spekuliert werden. Aber ganz ehrlich: Der La Voiture Noire ist viel zu elegant, als dass man mit ihm stapelweise Reifen in Rauch aufgehen lassen will.

So brachial wie elegant

Mit der Überarbeitung wird aus dem wahnsinnigen Chiron im Rennanzug ein eleganter Gran Turismo im schwarzen Frack – verzeiht mir diesen Vergleich, aber besser könnte man es kaum beschreiben: Die Front des La Voiture Noire verbreitert Bugatti im Vergleich zu Chiron und Divo um ganze 25 Zentimeter und auch am Heck wächst das Einzelstück merklich. Die charakteristische runde Seitenlinie um die Tür spitzen die Designer drastisch zu und lassen Wind- und Seitenscheibe optisch fließend in einander übergehen – alles, um den Wagen so lang und elegant wie möglich wirken zu lassen.

 Auch an der Front legt Bugatti Hand an: Der Kühlergrill behält die klassische Hufeisenform, wächst aber ein Stück in die Breite. Die Lufteinlässe rechts und links davon schwellen auf nahezu die doppelte Größe an. Und schließlich müssen auch die acht Frontscheinwerfer weichen und werden durch zwei schlichte, elegante Augen ersetzt.

Doch das Highlight ist das Heck

Denn hier kombiniert Bugatti Eleganz und Brutalität zu einem echten Kunstwerk: Unter dem weit nach unten gezogenen Heck erstreckt sich ein geschwungenes Lichtband über die ganze Breite des Wagens, der brachiale Motor verschwindet unter perforiertem Carbon und für die passende Klangkulisse sorgen gleich sechs faustdicke Endrohre. Der La Voiture Noire ist dazu das erste Auto, das prominent den ausgeschriebenen Bugatti-Schriftzug am Heck tragend darf – und der sitzt nicht irgendwo, sondern auf einem Wabengitter, dass sich natürlich ebenfalls über die ganze Wagenbreite zieht.

 Chefdesigner Achim Anscheidt bringt das Design im Autobild-Interview treffend auf den Punkt: „Wenn wir irgendwie Breite ins Fahrzeug kriegen können, nehmen wir alles, was wir bekommen.“ Und beim La Voiture Noire ist ihm das mehr als geglückt.

Eine würdige Hommage

Mit dem neuen La Voiture Noire schaffen es die Designer von Bugatti, den Look des Vorfahrens perfekt in die heutige Zeit zu übertragen: Die Linienführung allein, nicht zuletzt dank der Mittelfinne über die ganze Wagenlänge, lässt sofort erkennen, woher die Inspiration für dieses automobile Kunstwerk stammt. Für uns ist ist der La Voiture Noire damit definitiv der schönste moderne Bugatti – und auch, wenn die Elsässer mittlerweile beim Rennen um das schnellste Serienauto überholt wurden, zeigen sie mit diesem Einzelstück eines: In Sachen Exklusivität macht ihnen so schnell keiner etwas vor. 

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