Fernstudium: eine gute oder schlechte Idee?

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Wir Deutsche können uns enorm glücklich schätzen. Wir genießen nicht bloß den Luxus von nahezu kostenlosen Universitäten, sondern haben außerdem die Möglichkeit, unseren Bachelor oder Master durch ein Fernstudium abzuschließen. Dabei muss zu keinem Zeitpunkt ein Fuß in eine Hochschule gesetzt werden. Ein Student muss sich nicht einmal in Deutschland befinden.  Nach meinem Abitur habe ich lange nichts im klassischen Sinne anständiges mit meinem Leben angefangen. Trotzdem gelang es mir doch irgendwie einen Job in England zu bekommen, wo ich seit über zwei Jahren lebe. Arbeitgeber in London legen wesentlich mehr Wert auf berufliche als auf akademische Erfahrung. Einer Karriere in meinem speziellen Arbeitsbereich würde also nichts im Wege stehen. Vorausgesetzt, dass ich niemals aus London weg ziehe, niemals den Arbeitsbereich wechseln will und niemals ein Arbeitsvisum in einem anderen Land beantragen möchte. Leider befinden sich alle drei Punkte in meinem Zehnjahresplan. Dieses Dilemma schlug mir letztes Jahr nach einem tristen Arbeitstag in Form einer milden Depression entgegen.  Natürlich war ich nicht ohne Optionen. Ich hätte meinen Job kündigen und an eine beliebige Uni gehen können. Höchstwahrscheinlich würde ich dann aber tagsüber zwischen wesentlich jüngeren Schulabsolventen fehl am Platz sein und abends versuchen, mich mit Nebenjobs über Wasser zu halten. Gleichzeitig würde mit jedem Monat meine bisherige Arbeitserfahrung an Wert verlieren und ich müsste aus London wegziehen, da die Kosten für einen Bachelor-Abschluss hier ein paar Nullen zu viel haben. Alternativ hätte ich den Status Quo beibehalten können, ein paar Träume und Ideen rausschmeißen und mehr Energie auf mein Selbstmitleid konzentrieren können. Leider keine Option. Daher war der logische Weg, einfach beides zu machen. Job behalten und sich für ein Fernstudium einschreiben.  Die einzige deutsche Uni, die momentan ein komplettes Fernstudium anbietet, ist die FernUniversität in Hagen. Das Angebot ist geringer als an Präsenz-Hochschulen und die Kursauswahl beschränkt. Verständlich, da die meiste Studenten hier Berufstätige oder anderweitig Eingebundende sind. Ein Abschluss von der Uni Hagen ist aber international anerkannt und qualifiziert für Master-Studiengänge an allen Bologna akkreditierten Hochschulen. Nicht hundert Prozent sicher, worauf ich mich einließ, schrieb ich mich also für Kulturwissenschaften ein und erhielt kurze Zeit später einen Haufen Arbeitsmaterial, den ich über die nächsten fünf Monate durchzuarbeiten hatte. Dies tat ich in Mittagspausen, an Abenden und Wochenenden. Neben einem Vollzeitjob stellt das eine Herausforderung dar, kann aber mit einem anständigen Studienplan geschafft werden. Ich schrieb meine Klausuren und bestand einmal mehr, einmal weniger sicher, beide.  Jetzt bin ich im zweiten Semester, mit etwas mehr Ahnung von dem, was ich mache. Die Planung fällt etwas leichter und das Lernen ist mehr zur Routine geworden. Mein Ziel sind keine Top-Noten, sondern mehr ein Irgendwie-Bestehen, was natürlich etwas Druck nimmt. Wer neben der Arbeit noch Einsen schreiben will, muss deutlich mehr Zeit investieren.  Ein Fernstudium bietet eine einzigartige Gelegenheit, sein Leben selbst in die Hand zu nehmen. Mir gibt es die Möglichkeit, meine Karriere weiter zu verfolgen und gleichzeitig Pläne für die Zukunft zu schmieden. Ich bin absolut flexibel und kann Urlaub nehmen wann immer ich möchte. Sollte ich morgen entscheiden, nach Mexiko zu ziehen, würde dies nichts an meinem Studentenstatus ändern, selbst wenn es dann übermorgen nach Korea ginge. Ein guter Freund von mir sammelt während seinem Fernstudium die Arbeitserfahrung, die er braucht um nach seinem Abschluss eine Vollzeitstelle zu bekommen. Er studiert Psychologie, was an der Uni Hagen keinen NC hat. Eine große Ausnahme in Deutschland. Ohne Fernstudium könnte er seinem Traum in vielerlei Hinsicht nicht nachgehen.  Natürlich gibt es Nachteile. Manche Arbeitgeber werden einen BA aus Hagen vielleicht weniger hoch ansehen als einen regulären Abschluss. Doch solange ein Fernstudent nicht bloß in der Gegend rumsitzt, sondern sich die Arbeits- und Lebenserfahrung holt, die ihm sein Studium ermöglicht, wird er gleiche oder bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben als jeder andere. Ein weiterer Punkt ist die kleine Kursauswahl und der Mangel an Förderprogrammen. Klassisches Networking ist auch nicht möglich. Doch dem kann mit Online-Gruppen, Auslandssemestern und ein bisschen Kreativität entgegengewirkt werden.  Wer mit der richtigen Einstellung an die Sache ran geht, wird erkennen, dass ein Fernstudium sehr viel mehr Türen öffnet als schließt. Mehr info: www.fernuni-hagen.de

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