NBA  „ großen Jungs stehen am Ende  Nahrungskette“

NBA: „Die großen Jungs stehen am Ende der Nahrungskette“

Basketball-NBA

Vor kurzem ist die NBA in ihre neue Saison gestartet. Tibor Pleiß weiß, wie es in der amerikanischen Liga läuft. Der heute 27-Jährige ging 2015 von Barcelona zu den Utah Jazz und spielte eine Saison lang in der NBA. Pleiß konnte sich leider nicht durchsetzen und saß viel auf der Bank. Um Spielpraxis zu bekommen, lief er deswegen in der D-League (inzwischen heißt sie G-League) auf – der offiziellen Entwicklungsliga der NBA. Im Interview spricht Pleiß über die „Prügelstube D-League“, seine NBA-Erfahrungen und er erklärt, warum es große Spieler in der NBA schwerer haben. 

 MOAM: Herr Pleiß, im Internet kursieren unterschiedliche Größen, was Sie betrifft. Wie groß sind Sie denn?
Tibor Pleiß: (lacht) Ich bin 2,18 Meter. Mit Schuhen sind es dann wohl eher 2,21 Meter, aber ich gebe immer die 2,18 an. MOAM: Welche Risiken geht ein europäischer Basketballer ein, wenn er in die NBA wechselt?
Pleiß:Als ich in die NBA ging, war ich schon ein gestandener Spieler. Aber du fängst nochmal ganz von vorne an. Keiner kennt dich. Ich kam dann immer von der Bank und durfte nur die letzten zwei Minuten spielen, wenn die Jazz schon mit 20 Punkten vorne oder hinten lagen. Man muss wirklich viel Glück haben in der NBA, dass man Chancen bekommt und der Trainer einem das Vertrauen schenkt. MOAM: Können Sie nachvollziehen, wenn manche Spieler nicht in die NBA wechseln wollen?
Pleiß: Das kann ich gut verstehen. Nehmen wir zum Beispiel Ante Tomić, mit dem ich beim FC Barcelona gespielt habe. Die Utah Jazz haben überlegt, ihn zu holen. Und er wollte nicht. Für Spieler, die hier in Europa einen Namen haben, ist das ein schwieriger Schritt. Hier hat man sich etwas erarbeitet. Und dann gehst du rüber und alles ist weg. ?hl=de&taken-by=taibor1 MOAM: Ist es für große Spieler schwieriger, sich in der NBA durchzusetzen?
Pleiß: Auf jeden Fall. In der NBA ist es ein ganz anderes Spiel als in Europa. Es geht mehr darum, sich in den Vordergrund zu spielen. Die großen Jungs stehen allerdings am Ende der Nahrungskette und bekommen weniger den Ball, können also weniger punkten. MOAM: Was hatten Sie Befürchtungen vor ihrem Wechsel in die NBA?
Pleiß: Gar keine. Ich bin rüber und habe gesagt: Ich bin bereit. Ich dachte mir: Das ist ein guter Vertrag und der zeigt, die wollen mich und wollen, dass ich spiele. Das hat sich leider nicht bewahrheitet. Das war schon ein bisschen enttäuschend. Ich bin aber nicht von vorneherein mit einem negativen Gefühl rübergegangen. MOAM: Also haben Sie den Schritt in die NBA nie bereut?
Pleiß: Auf keinen Fall! Ich habe viele Erfahrungen gemacht und kann sagen, ich habe in der NBA gespielt. Dass ich in der D-League gespielt habe, das kam ja auch von mir. Als ich bei den Jazz gar nicht mehr aufgelaufen bin und nur trainiert habe, habe ich gefragt, wo ich denn Spielpraxis sammeln kann. MOAM: Wie war das in der D-League?
Pleiß: Ich hatte den Vorteil, dass ich bei den Jazz unter Vertrag stand. Und die wollten, dass ich in der D-League den Ball bekomme und Dinge ausprobieren kann. Der D-League-Trainer sagte oft: „Gebt Tibor den Ball“. Aber es gab auch andere Teams, gegen die ich gespielt habe, wo es keinen aus der NBA gab, und da sah es für die Großen relativ schlecht aus. In der D-League gibt es viele ambitionierte Spieler, die versuchen, ihren Traum von der NBA zu verwirklichen. Es wird weniger Team-Basketball und mehr „ego“ gezockt. Aber wenn du mit einem NBA-Vertrag reingehst, sieht das ganz anders aus. Was mich damals fasziniert hat: die anderen Spieler haben das akzeptiert, dass ich mehr Bälle bekommen habe als sie. Es gab eine Rangordnung. MOAM: Die D-League gilt als „Prügelstube der NBA“. Wie sehen Sie das?
Pleiß: Diese Erfahrung habe ich auch gemacht. Da ich einen NBA-Vertrag hatte, wollten sich die gegnerischen Spieler und Center gegen mich besonders beweisen. Es wurde schon öfter mal ruppig, mich hat das abgehärtet – auch wenn es manchmal unfair war. Ich lernte, damit umzugehen.

 MOAM: Die Erfahrungen aus der D-League haben Ihnen vermutlich auch in Ihrer weiteren Karriere geholfen.
Pleiß: Auf jeden Fall! In der D-League konnte ich auch mal wieder Dreier werfen. Das Ausprobieren hat mir gut getan. MOAM: Tim Ohlbrecht – der als Deutscher zwei Jahre in der D-League auflief – meinte, die Rahmenbedingungen der Entwicklungsliga sind sehr schlecht. Wie war das bei Ihnen?
Pleiß: Schwer zu sagen, weil ich den Status eines NBA-Spielers hatte. Ich hatte zum Beispiel keine Wohnung, sondern war die ganze Zeit im Hotel. Im Flugzeug bin ich meistens in der ersten Klasse geflogen, der Rest des Teams musste sich um die guten Sitze streiten. Mir ging es also relativ gut. Ich habe aber schon gemerkt, dass es für viele Spieler andere Rahmenbedingungen gab. Beispiel gesunde Ernährung: Das Essensgeld für die D-League-Spieler war sehr niedrig. Die haben zum Teil morgens, mittags und abends bei Subway gegessen. MOAM: Wie war Ihr Verhältnis zu den Mitspielern, gab es Gräben?
Pleiß: Ich habe mich echt super mit denen verstanden. Da sie nicht immer so gesund essen konnten, bin ich mit manchen auch mal ins Restaurant. Das haben sie mir hoch angerechnet. Mit einigen habe ich auch abseits des Feldes was unternommen, wir waren zum Beispiel beim Bowlen. MOAM: Wollen Sie nochmal in die NBA zurück?
Pleiß: Ich kann es mir vorstellen, wenn ich weiß, dass ich dann auch spielen werde. Auf der Bank sitzen, das brauche ich nicht mehr. Wenn nicht, spiele ich meine Karriere weiter in Europa, hier gibt es ja auch guten Basketball. MOAM: Zum Beispiel in Spanien, wo sie seit dieser Saison wieder spielen. Wie kam der Wechsel von Istanbul nach Valencia zustande?
Pleiß: Valencia hat mir ein Angebot gemacht. Ich habe den Klub als kämpferisch in Erinnerung, das gilt auch für die Fans. Valencia ist spanischer Meister geworden und spielt in der Euroleague. Das hört man sich genauer an. Die Hauptgründe waren aber natürlich das schöne Wetter und die Nähe zum Strand. (lacht)


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