Das Ende der Wahrheit (Filmkritik): Kann Deutschland mehr als Romanzen?

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Der deutsche Genre-Film hat es nicht leicht. Sobald die hiesigen Filmemacher versuchen, die bestehenden Grenzen von romantischen Komödien und lustigen Romanzen zu durchbrechen, wird die gut geteerte Fahrbahn zum steinigen Trampelpfad. Nur wenige filmische Versuche schafften es überhaupt, im Gedächtnis von Cineasten zu bleiben: Hans-Christian Schmids Thriller „23 – Nichts ist wie es scheint“ aus dem Jahre 1998 und Christian Alvarts „Antikörper“ von 2005 bilden dabei noch die Ausnahme. Regisseur und Drehbuchautor Philipp Leinemann hat sich mit dem kürzlich auf DVD, Blu-ray und Stream erschienenen „Das Ende der Wahrheit“ dennoch gewagt, dem Polit-Thriller im deutschen Kino eine Chance zu geben und bewegt sich mit dem Resultat auf dem Grenzstreifen zwischen großen Bildern und kleinem Fernsehspiel.

Schreibtischhelden zum Einsatz

Ronald Zehrfeld („Was gewesen wäre“) spielt den BND-Agenten Martin Behrens, der mit Idealismus und Leidenschaft der Sicherheit des Landes dient. Zumindest möchte er es glauben. Seine Haltung, dass der BND und die Geheimdienste immer nach den eigens aufgestellten Regeln spielen, bekommt Risse, als von ihm erpresste Informationen weitergegeben werden und für einen folgenschweren Drohnenangriff missbraucht werden. Als auch noch seine Freundin und Journalistin Aurice, gespielt von Antje Traue („Man of Steel“), bei einem Anschlag getötet wird, sind die Zweifel an dem System keine Vermutung mehr. Die reelle Bedrohung wächst.

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Dem gegenüber steht Patrick Lemke, dargestellt von Alexander Fehling („Gut gegen Nordwind“), der sich als Bürokrat nur an das Protokoll hält und Behrens als Wachhund vor die Nase gesetzt wird. Wenn es sein muss, unterstützt Lenke auch unbewusst den Waffenhandel, was aus seiner naiven Sichtweise irgendwie zum Geschäft zwischen Politik, Wirtschaft und Lobbyismus nun einmal dazugehört. Doch Lemke bekommt die Auswirkungen und Konsequenzen seiner Protokolle am eigenen Leib zu spüren, die keineswegs einer klaren Linie folgen.

Gute Ansätze mit deutscher Schwere

Es dauert eine gefühlte Ewigkeit bis der Film in Fahrt kommt. Die ruhige Inszenierung steht zwar im angenehmen Kontrast zur Härte der Geheimdienstaufgaben, die eben getan werden muss. Der wachsende Opfercount gehört leider dazu. Doch den Auswirkungen der Verschwörung kommt der ruhige Ton nicht zugute. Spannung vermisst der Zuschauer gänzlich, was auch streckenweise an der Besetzung von Roland Zehrfeld liegt. Zwar spielt er den Agenten, der nach und nach seine Ideale verliert, technisch perfekt, doch ist sein Auftreten für die Rolle einfach nicht geschaffen. Trotz imposanter Gestalt wirkt er immer zu sanft und weich, um einen glauben zu lassen, dass er sich wirklich gegen die Welt stellt, wenn es hart auf hart kommt. Im Gegensatz dazu ist Alexander Fehling als Lemke ein Bösewicht, der in mausgrauen Anzügen und mit schlurfendem Gang eine echte Bedrohung darstellt. Was das Protokoll sagt, ist korrekt, denn sonst würde es niemand niederschreiben. Nachfragen und Zweifel sind nicht angebracht. Dieses stoische Denken und die Verbissenheit im Recht zu sein, verkörpert Fehling perfekt. Wenn Bürokratie in einer Figur zusammengefasst werden müsste, wäre Patrick Lemke die Blaupause dafür.

Chance knapp verpasst

Dem deutschen Thriller-Genre beschert Regisseur Philipp Leinemann mit seinem Werk leider keinen Meilenstein. Zu sehr schwankt die Geschichte zwischen großen Erwartungen, die am Ende zu wenig Effekt versprühen, und einem Gesamtlook, der auch bei den öffentlich-rechtlichen Sendern gut aufgehoben wäre. Dennoch muss dem Film ein Kompliment ausgesprochen werden, da er Mut zu neuen Ufern beweist und einen überzeugenden Cast vereint. Wer einen spannungsgeladenen Thriller erwartet, wird am Ende wahrscheinlich enttäuscht sein. Doch mit dem Wissen, dem Geschehen auf stillen Sohlen zu folgen, sollte dem Film wenigstens eine Chance im heimischen Stream oder im Blu-ray-Player gegeben werden. 

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