Darum hat American-Football es hierzulande so verdammt schwer

Darum hat American-Football es hierzulande so verdammt schwer

Football

Aus, vorbei: Mit dem Super Bowl ist die NFL-Saison 2017/2018 beendet. Und was war das für ein Finale! Die Philadelphia Eagles gingen als Außenseiter in die Partie. Doch am Ende schlugen sie den Titelverteidiger, die New England Patriots mit Superstar-Quarterback Tom Brady 41:33. Ich bin mir sicher: In der Nacht von Sonntag auf Montag saßen auch wieder einige Zuschauer vor den Fernsehern und Smart-TVs, die sich sonst kaum für American Football und die NFL interessieren. Super Bowl gucken und dabei amerikanisches Bier trinken, Burger und Chicken Wings essen – das hat doch was. Doch außer dem Endspiel um die Meisterschaft verfolgen diese Menschen die Sportart kaum. Woran liegt das? Warum haben American Football es als Sportart und die NFL hierzulande so schwer, sogar bei denjenigen, die generell sportbegeistert sind?

Kaum noch Deutsche in der NFL

Sportlich gesehen kann es nicht an der National Football League (NFL) liegen. Die amerikanische Profi-Liga ist die beste Football-Liga der Welt. Kein anderes Land kommt an dieses Niveau ran. Und in Zeiten von Free-TV-Übertragungen und Streaming-Diensten ist es auch kein Problem, Football-Spiele zu sehen. Ich glaube auch nicht, dass die Mehrheit der deutschen Sportfans American Football wegen der gesundheitlichen Negativ-Folgen für die Spieler blöd findet. Olympia und Fußball-WM schauen die Leute ja auch, trotz bekannter Skandale über Doping, Kommerzialisierung  und Korruption. Ein Problem der NFL ist sicherlich, dass derzeit so wenige deutsche Spieler in der Liga unterwegs sind. Björn Werner, Markus Kuhn und Sebastian Vollmer (gewann zweimal mit den Patriots den Super Bowl) haben ihre aktiven Karrieren beendet. Der junge Moritz Böhringer konnte sich als Passempfänger nicht in der NFL durchsetzen. Bleiben noch Kasim Edebali und Mark Nzeocha übrig, die in ihren Teams jedoch kaum eine Rolle spielen. Ich glaube, dass die Regeln im American Football viele abschrecken. Klar, der Ball muss in die Endzone. Aber wie dürfen sich die Spieler an der Line of Scrimmage aufstellen? Was ist überhaupt die Line of Scrimmage? Dann die ganzen unterschiedlichen Positionen: Was unterscheidet in der Verteidigung einen D-Liner von einem Linebacker? Warum ist das ein Tight End und kein O-Liner? Ich gebe zu: Wer sich als Anfänger ein Spiel anschaut und keinen dabei hat, der einem das Geschehen auf dem Feld erklärt, ist der Einstieg schwer. Dazu kommen die ständigen Unterbrechungen beim American Football. Vier Stunden vor dem Fernseher für 60 Minuten reine Spielzeit in der NFL? Das ist für viele langweilig. (Baseball hat ein ähnliches Problem.)

Zeitverschiebung und deutsche Konkurrenz

Auch die Zeitverschiebung spielt eine Rolle. Es gibt zwar Spiele, die am Sonntag um etwa 19 Uhr beginnen und von denen einige im Free-TV zu sehen sind. Doch wer die Partien seines Lieblings-Klubs sehen möchte, muss öfter mal bis spät in die Nacht aufbleiben. Das ist wenig attraktiv, vor allem für Berufstätige. Ein weiterer Aspekt: Die NFL hat auch hierzulande Konkurrenz, es gibt eine deutsche Football-Bundesliga (die German Football League, GFL). Es handelt sich dabei zwar um Amateursport, der sportlich und organisatorisch mit der NFL auf keiner Ebene mithalten kann. Doch die deutschen Teams sind greifbarer. Als Zuschauer kann ich meine lokale Mannschaft unterstützen, mal beim Training vorbeischauen und am Gameday ins Stadion gehen. Diesen Vorteil haben natürlich auch die anderen deutschen Ligen BBL (Basketball), DEL (Eishockey) und die Baseball-Bundesliga gegenüber ihren amerikanischen Pendants NBA, NHL und MLB. Den letzten Grund ahnst du vermutlich schon: Deutschland ist (leider) eine Fußball-Nation. Alle anderen Sportarten tun sich gegen „König Fußball“ schwer – das gilt auch für die NFL.

NFL setzt auf Europa

Trotzdem ist Europa – und auch Deutschland – ein wichtiger Markt für die NFL, um weitere Zuschauer zu gewinnen. Bestes Beispiel dafür sind die Spiele, die die Liga seit einiger Zeit in London veranstaltet. Es handelt sich dabei um keine Show- oder Trainingsspiele, sondern Partien der regulären Saison! Im kommenden Jahr treffen unter anderem die Seattle Seahawks und die Oakland Raiders in London aufeinander. Beide Teams haben auch hierzulande eine große Fanbase, von denen zahlreiche Anhänger Tickets kaufen werden. 

 Ein London-Spiel zu besuchen hat sicherlich seinen Reiz (und seinen Preis: es kostet zwischen 50 und 300 Euro). Ob sich durch die Spiele allerdings die Popularität des American Footballs hierzulande vergrößert? Ich bezweifle es. Ein Spiel in Deutschland würde mehr bringen. Ein Guter Einstieg für Neulinge ist sicherlich die GFL. Das Geschehen auf dem Feld ist langsamer als in der NFL. Außerdem gibt es im Stadion viele nette Leute, die einem die Regeln erklären. Ich spreche da aus Erfahrung. Und auch die GFL kann spannend sein: Bestes Beispiel ist der German Bowl (quasi der deutsche Super Bowl) der vergangenen Saison. Nur ein Punkt Unterschied lag am Ende zwischen den New Yorker Lions aus Braunschweig und den Schwäbisch Hall Unicorns (13:14). Die Partie wurde mit dem mit letztem Spielzug entschieden. 

 American Football mag kompliziert sein. Aber langweilig ist die Sportart auf keinen Fall.


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