Zurich, Switzerland - April 20, 2016: sign on the wall of a Google office building. Google is a multinational technology company specializing in Internet-related services and products, its largest European office is located in Zurich, Switzerland.

Stadia: Google macht eure Konsolen überflüssig! Alles über die Keynote

Technik & Games

Googles Einstieg in die Welt des Gaming beginnt mit einem starken Statement: „Die Zukunft des Gamings ist keine Konsole.“ Und wenn der Internetgigant das umsetzt, was er bei der heutigen Keynote versprochen hat, dann können sich Xbox und Playstation auf eine harte Zeit gefasst machen. Entschuldigt, wenn ich an dieser Stelle darauf verzichte, die rosarote Brille abzusetzen, die Google allen Zuschauern der Keynote aufgesetzt hat – aber was die Kalifornier gerade vorgestellt haben, könnte nicht weniger als die Zukunft des Gaming sein.

Und es ist keine Konsole.

Steigen wir in den Artikel doch so ein, wie Google in seine Präsentation: Stellt euch vor, ihr seht den Trailer des neuen Assassins Creed Odyssey auf YouTube – gefällt euch? Dann reicht ein einzelner Klick auf einen Button neben dem Video und in fünf Sekunden schwimmt ihr in der stürmischen See, die das Game für euch bereithält. Statt erst Konsole oder Computer zu starten, das Game im Store zu suchen und herunterzuladen, könnt ihr direkt loslegen. Einstiegsbarrieren? Scheint es nicht mehr zu geben – kein Wunder, dass die hohen Tiere von Ubisoft während der gesamten Keynote das Grinsen nicht aus dem Gesicht bekommen. Google nennt dieses Feature trefflich „Instant Access“ – und das ist nur der Anfang einer Reihe von Dingen, die Stadia möglich macht.

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Konsolen? Sowas von 2018!

Viele Gamer hatten sich von Googles neuestem Projekt eine eigene Konsole versprochen – und diese Hoffnungen wurden größer, als vor kurzem das Patent zu einem eigenen Controller auftauchte. Cloud Gaming ist bisher kaum erschlossen – und genau das nutzt das Tech-Unternehmen eindrucksvoll: Stadia ist keine Konsole, sondern eine Plattform, über die Games gestreamt werden können: Die benötigte Highend-Hardware steckt in Googles Rechenzentren, das Bild wird auf jeden noch so kraftlosen Rechner gestreamt und AAA-Titel laufen flüssig mit Full HD und 60 Bildern pro Sekunde. Und das ist nicht nur eine Ankündigung, sondern wurde seit Oktober 2018 in einem ersten Testprogramm eindrucksvoll bewiesen.

Was ist mit dem Input Lag?

Das größte Problem, vor dem Cloud Gaming bisher steht: Da nicht nur das Bild, sondern auch die Eingaben zwischen Rechenzentrum und heimischem Bildschirm übertragen werden, kommt es zu Eingabeverzögerungen – davor hat Google allerdings wenig Angst: Immer wieder betonen die Redner die Überlegenheit des eigenen Netzwerks: Googles Rechenzentren sind so engmaschig verteilt und gut vernetzt, dass das Game immer aus einem möglichst nah stehenden Data Center gestreamt wird – so sollen Verzögerungen bis zur Unspürbarkeit verringert werden. Wie sicher sie sich dessen sind, zeigt die Zusammenarbeit mit den Entwicklern von Doom – immerhin einem der wohl schnellsten und hardware-intensivsten Shooter da draußen. FPS-Freaks werden an dieser Stelle des Abends allerdings einmal enttäuscht: Auch hier verspricht Google „nur“ 60 Bilder pro Sekunde. Für die meisten Bildschirme da draußen sollte das allerdings reichen.

Gezockt wird auf wirklich allen Geräten

Direkt am Anfang lässt Google die nächste Bombe platzen: Stadia wird grundsätzlich auf allen Bildschirmen auf diesem Planeten laufen – vorausgesetzt, die Google-Plattform läuft darauf: Auf Laptop und Desktop-PC streamt ihr die Games via Chrome, für Smartphone und Tablet gibt es die passende App – doch es ist ein anderes Gerät, das den Konsolenherstellern das Fürchten lehren wird. Stadia wird ab Launch auf der neuesten Generation des Chromecast laufen – und damit Highend-Gaming für den Bruchteil des Preises einer Konsole auf den Fernseher bringen. Immerhin werden die Games beim Launch in 4K und später sogar in 8K laufen. Da können selbst Xbox One X und PS4 Pro nicht mithalten.

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Eigene Grafikkarte, eigener Controller

Um in Sachen Grafik alle Grenzen zu sprengen, hat sich Google in Zusammenarbeit mit AMD eine eigene GPU zusammengebastelt – die Grafikleistung veranschaulicht ganz gut der Vergleich mit der aktuellen Konsolengeneration: Eine PS4 Pro rechnet mit 4,2 Terraflops. Eine Xbox One X bringt es auf immerhin 6.0, Googles Stadia GPU allerdings auf ganze 10,7 Terraflops – und bevor sich die PC-Enthusiasten mit ihrer Grafik-Power brüsten: Bei Bedarf schaltet Stadia so viele Grafikeinheiten zusammen, wie das Spiel eben braucht. Limits? Gibt es nicht! Für das perfekte Konsolenfeeling landet dann auch doch noch der eigene Controller auf der Bühne – vom Aufbau her erinnert er an einen Playstation-Controller, er bringt allerdings zwei entscheidende Features mit.

Gaming 4.0

Neben den bekannten Sticks und Tasten, die jeder aktuelle Controller mitbringt, findet sich auf der Google-Variante ein unscheinbarer kleiner Knopf mit großer Power: Mit nur einem Knopfdruck lassen sich Aufnahmen direkt aus dem Spiel teilen – mit euren Freunden oder einem Millionenpublikum auf YouTube. Auf einer anderen Taste wiederum findet sich das bekannte Logo des Google Assistant wieder – über diesen und das eingebaute Mikrofon können Spielentwickler Sprachfunktionen in ihre Games einbauen. Oder ihr könnt einfach den Assistenten um Hilfe bitten, falls ihr in einem Level nicht weiterkommt.

Besonders clever: Um die Eingabeverzögerung zu minimieren, verbindet sich der Controller übrigens über WiFi direkt mit dem Internet, statt den Umweg über das Gerät zu gehen – und macht es euch damit außerdem möglich, einen Controller an all euren Geräten zu nutzen.

Das alles ist erst der Anfang

Denn Google haut selbst bei diesem ersten Event mehr Features raus, als wir in einen Artikel packen können. Da wäre die Möglichkeit, euren Lieblingsmoment in einem Game mit euren Freunden zu teilen – und die können ihn nicht etwa als Video sehen, sondern direkt selbst an der gleichen Stelle weiterzocken. Oder sind euch die 100 Spieler in einem Battle Royale wie Fortnite zu wenig? Keine Angst – Stadia verspricht, dass durch die zentrale Rechenpower bald nicht hundert, sondern tausende Spieler auf einem Server ums Überleben kämpfen können. Und dann wäre da noch das „Crowd Play“: Statt eurem Lieblingsstreamer nur zuzuschauen, stellt ihr euch mit einem Klick in die virtuelle Warteschlange und zockt kurz darauf Seite an Seite mit ihm.

Haben die Konsolen ausgedient?

Das Gefühl beschleicht mich langsam, während ich mit offenem Mund die Stadia Keynote anschaue – denn was Google da auf die Beine stellt, schlägt in der Theorie jede aktuelle Konsole: Stadia bietet nicht nur schiere Rechenpower, die Möglichkeit auf allen Geräten zu zocken und eine komplett neue Art, Inhalte zu teilen. Die Nerds bei Google haben auch an Details wie das gute alte Splitscreen-Gaming gedacht, dass dank der Power aus der Cloud ohne Grafik- und Leistungseinbußen auf dem Bildschirm landet. Sony und Microsoft sollten sich für ihre nächste Konsolen-Generation also einiges überlegen – und wenn die Gerüchte stimmen, steigen auch die beiden Gamepad-Veteranen ins Cloud Gaming ein. Das könnte besonders bei Microsofts Rechenzentren verdammt interessant werden und erklären, wieso Xbox-Clients und Apps längst auch auf PC und Smartphones angekommen sind.

Wann geht es los?

Den ersten Schritt macht allerdings Google – und eröffnet mit einem Paukenschlag die Schlacht um das Gaming der Zukunft. Das Beste: Lange müssen wir uns nicht mehr gedulden. Denn Stadia soll noch in diesem Jahr in den USA, Kanada, UK und auch Europa starten. Die nächsten Infos zu den dann unterstützten Titeln sind für den Sommer angekündigt – dann sehen wir sicher auch die ersten Exclusives aus Googles eigens für Stadia gegründeten Spieleschmiede. Und erfahren, was der Spaß kosten wird. Eines ist sicher: Was Google mit Stadia vorstellt, ist nicht weniger als ein Blick auf die Zukunft des Gaming – das haben längst auch Microsoft und Sony erkannt. Und so könnte 2019 das Ende sein für Konsolen, wie wir sie kennen.

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