Videobeweis  Schiri Stieler zeigt, wie es geht

Videobeweis: Schiri Stieler zeigt, wie es geht

Fußball

Nach dem vergangenen Spieltag gab es wieder einmal Diskussionen über den Videobeweis in der Fußball-Bundesliga. Doch diesmal waren sie positiv. Anlass dafür war eine Szene in der Partie 1. FSV Mainz 05 gegen Hertha BSC Berlin (1:0). In Minute 53 stößt Hertha-Abwehrspieler Karim Rekik den Mainzer Yoshinori Muto zu Boden – und das im Strafraum. Schiedsrichter Tobias Stieler pfeift nicht. Allerdings nimmt Benjamin Cortus über das Headset Kontakt zu Stieler auf. Der Video-Schiedsrichter hat auf seinen Bildschirmen in Köln ein elfmeterwürdiges Foul gesehen.Und was macht Stieler? Er verlässt sich nicht blind auf den Hinweis seines Kollegen, sondern geht zur „Review Zone“ am Spielfeldrand und schaut sich die Szene selbst noch einmal als Video an. Und entscheidet auf Elfmeter.„Es war ein klares gegnerorientiertes Stoßen, deshalb habe ich meine Entscheidung revidiert“, begründet Stieler später seine Änderung. „Ich hab einen klaren Fehler begangen, indem ich vorher nicht auf Strafstoß entschieden habe.“ Die Mainzer freuten sich natürlich, der verwandelte Elfmeter brachte ihnen den Sieg. Aber auch die Berliner hatten an der Entscheidung nichts auszusetzen. „Der Schiedsrichter hat gut gepfiffen“, sagte Hertha-Trainer Pal Dardai nach der Partie.

Umstrittene Entscheidung bei Partie Dortmund gegen Mainz

Dieses Beispiel zeigt, wie der Videobeweis im Idealfall funktioniert. In den Wochen davor hatte es noch viel Kritik an dem neuen System gegeben. Der Video-Schiedsrichter spiele sich als Oberschiedsrichter auf, lautete ein Vorwurf. Besonders turbulent wurde es bei der Partie Borussia Dortmund gegen den 1. FC Köln (5:0) am vierten Spieltag. Beim Stand von 2:0 pfiff Schiedsrichter Patrick Ittrich eine Aktion ab – Offensivfoul, so die Entscheidung – noch bevor der Ball ins Tor gerollt war. Der Treffer zählt dann aber doch, nachdem der Video-Assistent sich gemeldet hatte. Seiner Meinung nach war das Offensivfoul nämlich keines. (Hier die Aktion im Video)Die Mainzer beschwerten sich: Der Treffer hätte nicht zählen dürfen, denn der Schiedsrichter hatte abgepfiffen, bevor der Ball über die Torlinie gerollt sei. Ein Pfiff des Referees bedeutet immer eine Spielunterbrechung. Also hätte Ittrich trotz der Hilfe durch den Videobeweis das Tor nicht geben dürfen, so die Kritik. Unterstüztung kam von Ex-Schiri Thorsten Kinhöfer: „Wenn der Schiedsrichter Foul gepfiffen hat, bevor der Ball die Linie überquert hat, war das Spiel unterbrochen und hätte der Treffer nicht zählen dürfen“, sagte er der „Bild“.

Kölns Manager sieht Regelverstoß

Jörg Schmadtke, Manager des 1. FC Köln, sah in dem Vorgehen einen Regelverstoß. Dem Sender „Sky“ sagte er: „Ich plädiere dafür, dass wir uns an das Protokoll halten, das es gibt, und dass hier nicht jeder macht was er will und entscheidet, wie er gerade will. Sondern wir haben ein Protokoll, wo der Schiedsrichterassistent einzugreifen hat und wo nicht. Und in diesem Fall ist das Protokoll nicht befolgt worden.“Laut Angaben der Deutschen Fußball Liga (DFL) ist ganz klar festgelegt, wann der Video-Schiedsrichter eingreifen darf und wann nicht. Aufgelistet sind vier Fälle:

  • Torerzielung (Foul, Handspiel, Abseits und andere Regelwidrigkeiten)
  • Strafstoß/Elfmeter (nicht oder falsch geahndete Vergehen)
  • Rote Karte (nicht oder falsch geahndete Vergehen)
  • Verwechslung eines Spielers (bei Roter, Gelb-Roter oder Gelber Karte)

Der Video-Assistent darf also nur bei ganz klaren Fehlentscheidungen eingreifen. „Bei Grauzonenentscheidungen sollte der Schiedsrichter bei der Entscheidung, die er ursprünglich getroffen hat, bleiben. Das ist der wichtigste Punkt. Die Hilfe soll bei klaren Fehlentscheidungen da sein. Und nicht bei Grauzonen,“ erklärt Lukas Brud vom International Football Association Board (IFAB), das im Fußball für Regeländerungen zuständig ist.

Krug verteidigt Videobeweis

Dass noch nicht alles ganz rund läuft in Sachen Videobeweis, ist auch Hellmut Krug klar. Der ehemalige Fifa-Schiedsrichter ist für die neue Technik verantwortlich. Im Interview mit der „Welt am Sonntag“ sagte er: „In der Öffentlichkeit wird überwiegend thematisiert, was noch nicht perfekt läuft. Aber wie soll eine solch große Innovation auf Anhieb reibungslos funktionieren? Das ist gar nicht möglich, dafür ist dieses Projekt viel zu komplex. Wer geglaubt hat, wir legen einfach einen Schalter und schon funktioniert alles reibungslos, der ist schief gewickelt.“Insgesamt ist Krug mit der Technik bisher „generell“ zufrieden. Er wies aber auch darauf hin, dass sich der Videobeweis noch in einer Testphase befindet. „Es wird auch mit dem Videobeweis nie eine 100-prozentige Gerechtigkeit geben, weil Menschen am Werk sind und keine Roboter“, so Krug. „Aber die Entscheidungsqualität, das sehen wir jetzt schon, wird noch besser.“ 

Die Entscheidungsqualität verbessert sich vor allem durch Schiedsrichter wie Tobias Stieler. Anstatt sich einfach so auf die Entscheidung des Video-Assistenten zu verlassen, hat er sich ein paar Sekunden Zeit genommen, um sich die Szene selbst noch einmal anzusehen. Dadurch vermittelt er den Fans: „Ich glaube nicht blind dem Video-Assistenten und prüfe lieber selber nochmal nach. Schließlich habe ich das letzte Wort.“Das kostet zwar etwas Zeit (die einfach auf die Nachspielzeit gepackt wird). Aber dafür hat dann niemand mehr das Gefühl, dass der Video-Schiri ein „Oberschiedsrichter“ ist und das Spiel aus der Ferne lenkt.


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