Sergio Marchionne: Brillanter Manager und Visionär von Fiat-Chrysler

Revolutionäre

Sergio Marchionne war äußerlich ein eher unscheinbarer Mann, der das Unmögliche in der Geschichte Italiens möglich gemacht hat: Er rettete den Autohersteller Fiat vor dem Ruin! Am 25. Juli 2018 verstarb er im Alter von nur 66 Jahren, als einer der charismatischsten und brillantesten Manager, der seine Spuren nicht nur in der italienischen Wirtschaft hinterließ. Ein Nachruf:

Wer war Sergio Marchionne?

Geboren wurde er am 17. Juni 1952 in Chieti, einer Bergstadt in Mittelitalien in der Nähe der Adria-Küste. Sein Vater war bei der örtlichen Polizei. Im Alter von 14 Jahren zog er mit seiner Familie ins kanadische Toronto, nachdem sein Vater als Carabinieri-Offizier in Frührente ging. Deshalb schlugen fortan zwei Herzen in seiner Brust: Das italienische und das kanadische, weshalb er auch gerne als Italokanadier charakterisiert wurde. In Kanada entwickelte sich Marchionne frühzeitig zum Multitalent. 1978 schloss er an der York University in Toronto mit einem Bachelor of Arts in Philosophie ab und erwarb noch im selben Jahr an der University of Windsor in Ontario den Bachelor in Ökonomie. Hinzu kamen 1979 ein Magisterabschluss in Business Administration und 1983 an der Osgoode Hall Law School Toronto das LLB-Examen in Jura. Seine Zulassung als Wirtschaftsprüfer erhielt er in den Jahren 1983 und 1985. 1987 bekam er dazu noch die Zulassung als Rechtsanwalt.

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Seine ersten Erfahrungen in der Wirtschaft

Zunächst sammelte er gut zehn Jahre Berufserfahrung in Kanada, wobei er 1983 als Steuerexperte beim kanadischen Zweig der bekannten Unternehmensberatung Deloitte Touche startete. Bereits drei Jahre später wechselte er zu Lawson Mardon in Toronto, einem Verpackungshersteller, der auf Aluminiumprodukte ausgerichtet war. Seine Karriere begann er dort zunächst als Controller und ab 1988 als Leiter der Unternehmensentwicklung sowie später als Finanzchef. 1994 wurde die Firma durch die erische Alusuisse-Lonza übernommen, was Marchionne den Weg in die Schweiz ebnete. In der Folgezeit erlebte er einen beeindruckenden beruflichen Aufstieg in der Schweiz.

Was machte Marchionne zu solch einem brillanten Manager?

Sicherlich ist an erster Stelle seine überdurchschnittliche Intelligenz zu nennen. Doch Marchionne war auch ehrgeizig und einer, der sich nie mit dem momentanen Erfolg zufrieden gab. Er arbeitete sehr hart für seinen Erfolg und hatte Visionen. Marchionne galt als Arbeitstier, der sein enormes Arbeitspensum nur durch Unmengen von Espressi und Zigaretten, die ihn wachgehalten haben, schaffen konnte. Er war ständig unterwegs, da er zwischen Detroit, Turin und der Fiat-Chrysler-Zentrale in London im Jet pendeln musste. Er dachte immer “groß“ und war in Gedanken stets schon einen Schritt voraus. Auch galt er als Menschenversteher und als einer, der zuhört. Als er beim Fiat-Konzern einstieg, war er nicht etwa, wie viele andere Manager in der Automobilindustrie, studierter Ingenieur oder ähnliches. Er war ein studiertes Wirtschaftsgenie und ein außerordentlich cleverer Turnaround-Manager. Das war seine Stärke.

Wie verhinderte Marchionne die Insolvenz von Fiat?

Im Jahr 2003 stieg Marchionne bei Fiat zunächst als Verwaltungsrat ein, um wenig später im Jahr 2004 auch als CEO die Firma zu leiten. Ohne ihn würde es Fiat heute wahrscheinlich nicht mehr geben, oder nur noch als Marke in einem anderen Automobilkonzern. Marchionne war geliebt und gefürchtet, da er kein Blatt vor den Mund nahm, wenn es darum ging, den Italienern nüchtern und sachlich die bittere Wahrheit vorzuhalten. So soll er einmal gesagt haben, dass in einer polnischen Fabrik so viel hergestellt wird, wie in fünf italienischen zusammen. Dies sagte er zu einer Zeit, als von einem operativen Ertrag von 2 Milliarden Euro nicht ein einziger Cent aus Italien kam. Sein erster großer Deal bei Fiat gelang ihm 2009 durch die Übernahme des insolventen amerikanischen Herstellers Chrysler. Diese Marke machte er in der Folgezeit zu einer Ertragsstütze für den Fiat-Konzern, wodurch es ihm gelang, die angeschlagene Marke Fiat über Wasser zu halten. Marchionne krempelte, oft gegen den Willen der Gewerkschaften, Fiat komplett um. Die Kleinwagensparte ergänzte er mit renditestärkeren Modellen der Marken Alfa Romeo, Maserati und Jeep. Auch scheute er sich nicht davor, die Fiat-Zentrale nach Amsterdam und London zu verlegen und somit Fiat quasi zu entnationalisieren. Nachdem zahlreiche Versuche Marchionnes gescheitert waren, die Fiat-Group mit einem anderen großen Automobilkonzern zu verknüpfen, um das Überleben von Fiat durch Skaleneffekte langfristig zu sichern, verlegte er sich auf eine andere Strategie. Er investierte Milliarden in die Elektromobilität und selbstfahrende Autos, um den Anschluss an die Konkurrenz nicht zu verlieren. So stand am Ende die schwarze Null.

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Marchionnes Privatleben

Es drang nicht viel von seinem Privatleben nach außen, da er sehr zurückgezogen lebte. Er spielte gerne Poker und soll vor einem Jahr dem Rauchen abgeschworen haben. Marchionne hatte Zeit seines Lebens eine starke Verbindung zur Schweiz, weshalb es wahrscheinlich auch kein Zufall war, dass er seine gesundheitlichen Beschwerden in der Schweiz behandeln ließ. Seine Frau und seine beiden Kinder wohnen nach wie vor in der Romandie, während Marchionne selber zum größten Teil in Turin lebte, wobei sein offizieller Wohnsitz aber Schindellegi im Kanton Schwyz blieb. Marchionnes Markenzeichen wurden seine dunklen Strickpullover, die er stets – auch zu offiziellen Anlässen – trug und zwar immer ohne Krawatte. Er selber sagte einmal, dass der Tag, an dem er eine Krawatte tragen würde, ein ganz großer Tag sein wird. Dieser Tag kam, als er kurz vor seinem Tod Ende Juni 2018 verkünden konnte, dass der Fiat-Chrysler-Konzern schuldenfrei sei. Ein bodenständiger, brillanter Manager und Visionär, um den nicht nur die Wirtschaft Italiens trauert! 

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